Hallo,
ich bin alleinerziehende Mutter einer 15-jährigen Tochter.
Seit ihrem 11. Lebensjahr kämpfen wir mit großen Problemen: Drogen, Lügen, Selbstverletzung, Schulverweigerung.
Seit einem Monat ist sie endlich in Therapie – vorher hat sie jegliche Hilfe abgelehnt.
Ich weiß mit Sicherheit, dass sie Drogen konsumiert und schmerzmittelabhängig ist – auch wenn sie es abstreitet. Ich habe Beweise dafür (z. B. gefundene Substanzen und Verpackungen, Videos und Bilder, Arztdokumentation).
Ihre Arme und Oberschenkel sind übersät mit alten Narben von Selbstverletzungen.
In der Schule war sie im diesem Schuljahr zu 47 % abwesend, wurde aber trotzdem in die nächste Klasse versetzt – wegen guter Noten.
Vor 8 Monaten hat sich ihr Vater das Leben genommen.
Letzten Freitag sollte sie um 22:00 Uhr zu Hause sein. Ich habe ihr nicht erlaubt, nach der Party bei einer Freundin zu übernachten, weil ich wusste, dass sie länger bleiben wollten. Daraufhin hat sie ihr Handy ausgeschaltet und seitdem nicht mehr auf meine Nachrichten reagiert.
Ich habe sie noch in der gleichen Nacht gegen 23:00 Uhr als vermisst gemeldet.
Polizei und Schule sagen mir nur, sie sei „an einem sicheren Ort“ und es gehe ihr gut – aber ich bekomme keine Beweise, keinen Kontakt, keine Einsicht.
Und ich glaube das nicht mehr – weil das alles schon einmal passiert ist:
Vor etwa 1,5 Jahren war exakt das Gleiche.
Auch damals sagten Polizei und Schule, sie sei „in Sicherheit“ – später stellte sich heraus, dass sie einen Monat lang auf der Straße lebte und an Bahnhöfen übernachtet hat.
Ich bin verzweifelt, fühle mich ohnmächtig, ausgeschlossen und allein gelassen.
Gibt es hier andere Eltern mit ähnlichen Erfahrungen? Ich brauche dringend Austausch, Rat oder einfach ein offenes Ohr.
Danke, dass ich hier schreiben darf.
Eine erschöpfte, besorgte Mutter
Hallo,
vielen Dank für Ihre Zeilen, sie helfen uns anderen hier im Elternforum, Ihre wirklich sehr komplexe und belastende Situation, in der Sie sich als Mutter befinden, besser nachvollziehen zu können. Ich finde es beachtlich, wie Sie an Ihrer Tochter nach all den vielen Hilfsversuchen dranbleiben und versuchen, sie zu unterstützen. Erfahrung haben Sie ja von Ihrem großen Sohn wie Sie schreiben, allerdings entwickelt sich jedes Kind/jede Jugendliche anders. Wir als Eltern haben viel Einfluss, können jedoch nicht jede Entwicklung steuern. Auch wenn diese Erkenntnis bitter sein kann. Der Weg in die Beratungsstelle bzw. Ihr Termin dort heute ist ein weiterer Schritt und steigert von Neuem die Chancen auf neue Optionen und eine Veränderung in eine gute Richtung! Ich hoffe, das Gespräch heute in der Beratungsstelle hilft Ihnen als Mutter, sich zu orientieren und vielleicht auch neue Zuversicht zu erlangen🍀!
Viele Grüße
bke-Lorenz Bauer
PS: Vielleicht wäre auch eine Mailberatung hier bei der bke-Elternberatung eine gute Möglichkeit für Sie, Ihre Lage zu reflektieren?
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich bin bereits seit Beginn der Probleme mit meiner Tochter mit dem Jugendamt in Kontakt. Leider konnte mir dort bislang nur sehr begrenzt geholfen werden.
Es wurde jedes Mal ein Bericht über die Situation erstellt, und sie wurde für 1,5 Monate in eine Wohngruppe untergebracht. Doch wegen wiederholter Wegläufe, dem Diebstahl eines Diensthandys (es lief ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls beim Amtsgericht), und wegen ihres negativen Einflusses auf andere – zum Teil jüngere – Kinder dort, wurde sie am 23.12.2024, also einen Tag vor Heiligabend, ohne jede Diskussion aus der Wohngruppe ausgeschlossen.
Das Jugendamt war in dieser Situation machtlos.
Man bot mir damals auch eine Erziehungsberatung an, aber ich war lange überzeugt, dass ich mein Kind gut erziehe – ich habe bereits einen Sohn (24 Jahre alt), der einen sehr guten Beruf hat und im Leben fest steht.
Doch die aktuelle Lage ist so ernst und ausweglos geworden, dass ich diesen Schritt nun doch gehe. Ich habe morgen meinen ersten Termin bei der Erziehungsberatung.
Ich wünsche mir aber endlich mehr als nur Gespräche. Ich möchte wissen:
Welche konkreten Möglichkeiten sieht das deutsche System, wenn ein Kind sich selbst zerstört, jede Hilfe ablehnt und die Eltern vollständig ausgeschlossen werden?
Ich weiß nicht mehr, wie ich sie noch schützen soll. Ich möchte sie nicht verlieren.
Hallo und vielen Dank, dass Sie Ihre Geschichte hier mit uns teilen.
Mein Name ist bke-Fritzi-Falk. Ich gehöre hier zum Moderator*innen-Team der bke-Onlineberatung.
Es erfordert viel Mut und Kraft, so offen über die Schwierigkeiten zu sprechen, die Sie und Ihre Tochter durchleben. Ihre Sorge und Verzweiflung sind vollkommen nachvollziehbar, und es tut mir leid, dass Sie sich in dieser Situation so alleingelassen fühlen.
Dass Sie keinen direkten Kontakt zu Ihrer Tochter haben, muss unglaublich schwer aushaltbar für Sie sein, vor allem nach den Erfahrungen, die Sie bereits gemacht haben. Umso beachtenswerter, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben und hier die Möglichkeit des Austausches wahrnehmen möchten.
Wie gehen Sie mit den Gefühlen der Ohnmacht und Sorge um? Gibt es etwas, dass Ihnen hilft, in diesen Momenten stark zu bleiben?
Sie haben von Polizei und Schule geschrieben.
Wie ist denn der Kontakt zum Jugendamt? Während die Polizei in erster Linie für die Suche und das Auffinden zuständig ist, kann das Jugendamt zusätzliche Unterstützung in Form von Beratung und Vermittlung von Hilfsangeboten bieten.
An die anderen Eltern hier im Forum: Haben Sie bereits ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie haben Sie es geschafft, mit der Situation umzugehen und Unterstützung zu finden?
Ich freue mich auf Ihre Beiträge und hoffe, dass wir gemeinsam Lösungen, offene Ohren und Austausch finden.
bke-Fritzi-Falk